Lexikon > Minderwuchs



[[Datei:Ludwig Hemmer PC Das Zwergendorf mit seinen Bewohnern. Bildseite.jpg|miniatur|„Das Zwergendorf und seine Bewohner“.
Foto: „Photograpische Kunstanstalt Ludwig Hemmer“, um 1900]]
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Der Ausdruck Minderwuchs oder Hyposomie ist eine Bezeichnung für ein von der Norm abweichendes, geringeres Wachstum in der Körperhöhe, das durch verschiedene Wachstumsstörungen hervorgerufen werden kann. Der klinische Terminus bezieht sich auf den Prozess des „verminderten“ – also „verringerten“ – Wachstums. Man unterscheidet, abhängig von der Ausprägung und dem Bezug zur normalverteilten Körperhöhe der Gesamtbevölkerung, zwei Formen des Minderwuchses:
  • „Kleinwuchs“ (auch „Mikrosomie“ genannt), bei Abweichung von ein bis drei Standardabweichungen nach unten oder wenn die Körpergröße das zehnte Perzentil der Wachstumskurve für das entsprechende Alter unterschreitet. Dies bedeutet derzeit nach Abschluss des Wachstums eine Endgröße bei Frauen nicht über 140 cm und bei Männern nicht über 150 cm.
  • „Extremer Kleinwuchs“ (früher als „Zwergwuchs“ oder „Nanosomie“ bezeichnet) bei Unterschreitung von mehr als drei Standardabweichungen.

Bei einigen Skelettdysplasien kommt es zu einem verringerten Körperhöhenwachstum, ohne dass dabei die Definition des Kleinwuchses erfüllt wird. So sind beispielsweise bei der Hypophosphatasie oder der Osteogenesis imperfecta einige Patienten deutlich kleiner als der statistische Bevölkerungsdurchschnitt, jedoch meist etwas größer als 1,40/1,50 m. Andere Betroffene hingegen erfüllen die Kriterien für den Kleinwuchs. Insofern sprechen sich einige Gruppen dafür aus, neben dem Begriff Kleinwuchs auch den Terminus Minderwuchs beizubehalten.

Differenzialdiagnose und Ursachen


Grob einteilend können pränatale und postnatale Ursachen definiert werden.

Pränatale Ursachen


  • Vererbung
    • Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung, häufigste Ursache (über 80 Prozent)
    • Familiärer Minderwuchs
  • Chromosomenanomalien und Genmutationen
    • Verschiedene Syndrome (Silver-Russell-Syndrom, Laron-Syndrom, Ullrich-Turner-Syndrom, Trisomie 21, Achondroplasie), auch Hypophosphatasie und viele andere
  • Pränatale Entwicklungsstörungen
    • Fetale Mangelernährung
    • Plazentainsuffizienz
    • Exogene Noxen wie Nikotin, Alkohol (siehe auch: Fetales Alkoholsyndrom), Drogen und Infektionen

Postnatale Ursachen


  • Mangelversorgung
    • Unterernährung
    • Eiweißmangel
    • Vitaminmangel (insb. Vitamin D)
    • Malresorption oder Malabsorption (Zöliakie, Morbus Crohn)
  • Chronische Krankheiten
    • Anämien
    • Herzvitien
    • Rheumatoide Arthritis
    • chronische Niereninsuffizienz
  • Stoffwechseldefekte
    • Glycogenosen
    • Mucopolysaccharidosen
    • Diabetes mellitus
  • Endokrine Störungen
    • Wachstumshormonmangel
    • Hypothyreose
    • Hypercortisolismus
  • Iatrogen
    • Strahlentherapie
    • Chemotherapie
    • hochdosierte Cortisontherapie
  • Psychosoziale Faktoren
    • Deprivation ist Ursache des psychosozialen Minderwuchses

Hinsichtlich der klinischen Präsentation unterscheidet man den proportionierten Minderwuchs vom dysproportionierten Minderwuchs:

Proportionierter Minderwuchs (Beispiele)


  • Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung
  • Endokrine Störungen
  • Stoffwechseldefekte
  • Chronische Krankheiten
  • Trisomie 21
  • Silver-Russell-Syndrom

Dysproportionierter Minderwuchs (Beispiele)


  • Achondroplasie
  • Hypochondroplasie

Therapie


Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Ist eine mangelnde Versorgung mit den zum Wachstum benötigten Nährstoffen, Vitaminen und ähnlichem die Ursache, müssen die Defizite ausgeglichen werden, gegebenenfalls durch Umstellung der Ernährung.
Bei Störungen der hormonellen Schiene muss der Hormonstatus ausgeglichen werden, zum Beispiel durch die Gabe von Wachstumshormonen1. Auf diese Weise lässt sich jedoch nur so lange korrigierend eingreifen, wie das Skelett noch im Wachstum befindlich ist. Nach Abschluss des Skelettwachstums bleiben diese Maßnahmen in der Regel erfolglos.
Die Bestimmung des Knochenalters ist daher für die Prognosestellung ausschlaggebend.

Einzelnachweise



Literatur


  • S2-Leitlinie: Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter, AWMF-Registernummer 089/001 (online: [http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/089-001.htm Volltext], [Patientenversion]), Stand 11/2008
  • Nicole Paetz: Drei Nummern zu groß. Kinderjahre mit hypophysärem Kleinwuchs, edition riedenburg, Salzburg 2010, ISBN 978-3-902647-32-0

Siehe auch


  • Seckel-Syndrom
  • Hallermann-Streiff-Syndrom
  • Rubinstein-Taybi-Syndrom
  • Hofzwerg

Weblinks


Dwarfism
[1] M. B. Ranke, H.-G. Dörr et al.: „Therapie des Kleinwuchses mit Wachstumshormon Entwicklungen 10 Jahre nach der Einführung von rekombinantem Wachstumshormon“, Monatsschrift Kinderheilkunde, Bd. 148, Number 8 / August 2000, S. 746–761, Springer-Verlag Berlin – Heidelberg, ISSN 0026-9298 (print), 1433-0474 (Online), DOI 10.1007/s001120050633; http://www.springerlink.com/content/3401a7fvq0ek2dav/ hier online (Abstract)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Minderwuchs

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