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Nahtoderfahrungen oder Nahtod-Erfahrungen (NTE) umfassen ein breites Spektrum von Erlebnisberichten über außergewöhnliche (anomale) Bewusstseinszustände. Sie erhielten die Bezeichnung NTE, da die Erlebnisse besonders von Personen berichtet wurden, die sich zuvor in einer lebensbedrohenden Lage befunden hatten, etwa durch einen vorübergehenden Kreislaufstillstand. Später zeigte sich jedoch, dass derartige Erlebnisse auch nach Situationen berichtet wurden, die nicht lebensbedrohend waren, wie ein epileptischer Anfall, oder gar harmlos, wie eine Meditation.
Typische Elemente dieser Berichte sind eine Sicht von außen auf den eigenen Körper (Autoskopie) sowie Tunnel-, Licht- und Jenseits-Erscheinungen. NTE-Berichte sind in einer Vielzahl von Büchern mit hohen Auflagen verbreitet worden, deren Autoren in der Regel weltanschauliche Sichtweisen vertreten, wie etwa die, dass durch diese Berichte nunmehr ein Weiterleben nach dem Tod wissenschaftlich bewiesen sei.
Von Seiten der Neurowissenschaften werden NTE nicht als spektakulär eingestuft, sondern als Folgen vorübergehender Beeinträchtigung wichtiger Gehirnfunktionen.

Bezeichnung


Der Begriff „Nahtoderlebnis“ wurde bereits im 19. Jahrhundert geprägt, als der Schweizer Geologe Albert Heim eine Eigenerfahrung und Zeugenaussagen seiner Klettergefährten über Erlebnisse nach Abstürzen protokollierte und publizierte.1

Einführung


Nahtoderlebnisse erhielten ihren Namen, da das Zusammentreffen der Erlebnisse mit lebensbedrohenden Situationen besonders auffiel. Später zeigte sich jedoch, dass Nahtoderlebnisse mit Tod oder Todesnähe nicht unbedingt etwas zu tun haben. Auch Umstände, die nicht lebensbedrohend sind, können sie auslösen, wie zum Beispiel Epilepsie oder Meditation. Beim Vergleich von Nahtoderlebnissen in lebensbedrohenden Situationen mit solchen in nicht lebensbedrohenden Situationen wurden bezüglich Intensität und Inhalten der Erlebnisse keine Unterschiede festgestellt.2
Es gibt keine einheitliche und umfassende Klassifizierung der Umstände und Elemente von Nahtoderfahrungen. Erschwerend für die Klassifizierung ist die Nähe einiger Nahtoderfahrungen zu Träumen, Oneiroid-Syndromen, Halluzinationen, Illusionen, Wahnvorstellungen, autosuggestiven Elementen und dem Erleben während einer diagnostizierten Depersonalisation.
Von den Überlebenden eines Herzstillstands berichteten circa 20 % über typische Nahtoderlebnisse.3 Nach einer repräsentativen Befragung von über 2000 Personen in Deutschland durch den Berliner Soziologen Hubert Knoblauch in den Jahren 1997–1998 hatten etwa 4 Prozent eine Nahtoderfahrung.4

Elemente


Erlebnisinhalte


  • Außerkörperliche Erfahrung: Im Rahmen von Nahtoderfahrungen haben die Betroffenen oft das Gefühl, über ihrem Körper zu schweben und zu beobachten, was geschieht.5
  • Ein großer Teil der Betroffenen beschreibt einen Übergang, der am häufigsten als Durchgang durch einen Tunnel beschrieben wird, an dessen Ende helles Licht zu sehen ist.6
  • Manche Betroffene berichten vom Jenseits; je nach Studie in einem Zehntel bis zwei Drittel der Nahtod-Erlebnisse.6
  • bereits verstorbene Verwandte oder übernatürliche Gestalten kommen, um den Betroffenen abzuholen: Schon in den von Papst Gregor dem Großen gesammelten Berichten erscheinen Apostel, Verwandte oder Freunde zur Abholung.78 In den von Osis und Haraldson untersuchten Totenbettvisionen aus Indien und Amerika kommen solche Wesen in etwa 78 % der Fälle vor; bei den Amerikanern überwiegend verstorbene Verwandte, in Indien eher religiöse Figuren. Auch Lebende können in Nahtoderfahrungen auftauchen.

  • Licht: In 40–77 % der Nahtoderfahrungen nimmt die Person ein helles, weißes Licht wahr.9 Das Licht wird je nach Religionszugehörigkeit als Sonne, Gott, Engel oder als Widerspiegelung des allerhöchsten Bewusstseinszustandes des Menschen identifiziert.6101112
  • Als Lebensbilderschau, Lebensrückblick oder -film können während des Nahtod-Erlebnisses Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit vor dem inneren Auge ablaufen. Diese Phase des Nahtod-Erlebnisses tritt etwa in einem Drittel der Berichte über Nahtoderfahrungen auf.6 In Nahtoderfahrungen von vor Beginn der Neuzeit oder aus Ländern der Dritten Welt wie Indien tritt dieses Motiv meist in Form einer Bewährungsprobe, einer Gerichtsszenerie oder eines Lebensbuches auf.13

  • In 8–41 % der Nahtoderfahrungen taucht eine Grenze, Mauer oder ähnliches auf, die der Betroffene nicht überschreiten darf, wenn er nicht endgültig sterben soll.14
  • Rückkehr: In einigen Nahtoderfahrungen erscheinen die Wiederbelebungsmaßnahmen als Grund der Rückkehr. Es kann aber auch eine bewusste Entscheidung zur Rückkehr erlebt werden.15

Emotionen


  • Glücksgefühl: Für viele Menschen sind starke Gefühle von Schmerzfreiheit, Frieden, Freude und Glückseligkeit der bemerkenswerteste Teil ihrer Erfahrung.16
  • Gefühl, Ereignisse der Zukunft vorhersagen zu können (Präkognition), und Allwissenheitsempfinden: In etwa 3 bis 6 % der Nahtodeserlebnisse glaubten die Betroffenen, in die Zukunft zu sehen.69

Mystische Erfahrung und Folgen


Nahtoderfahrungen können folgende religions- und kulturunabhängige Eigenschaften mystischer Erfahrungen beinhalten: Einheits-Erleben, Transzendenz von Zeit und Raum, tief empfundene positive Stimmung, Gefühl der Heiligkeit, der Objektivität und Realität, Unaussprechlichkeit, Paradoxie und Flüchtigkeit des Erlebens. Damit sind Nahtodeserlebnisse die häufigsten mystischen Erfahrungen überhaupt.13
Viele Menschen sind nach einem Sterbeerlebnis auch von der Existenz Gottes überzeugt und geben religiösen und ethischen Werten in ihrem Leben Vorrang.171819 Eine Hinwendung zu sozial-karitativen Tätigkeiten, eine höhere Wertschätzung von Sinnfragen, aber auch der eigenen Person und der Kürze und Kostbarkeit der Lebenszeit werden beschrieben.

Erklärungsversuche


In der Beschreibung und Erforschung von Nahtoderfahrungen gibt es verschiedene Versuche, die sich in ihren erkenntnistheoretischen und weltanschaulichen Grundannahmen unterscheiden. So gibt es die historisch verbreitete ontologische und oft religiös motivierte „Überlebenshypothese“, die Nahtoderfahrungen als Beleg für ein Weiterleben der Seele nach dem Tod sieht.20 Solche Erklärungen betrachten Nahtoderfahrungen als einen Ausdruck der Unabhängigkeit des Bewusstseins vom Gehirn und Körper.
Daneben gibt es nichtreligiöse (agnostische) Ansätze, die sich an den subjektiven Erfahrungen orientieren und diese in einen soziokulturellen Zusammenhang stellen.2122
Neurophysiologische Forschungen sowie psychologische und psychiatrische Konzepte, wie das der Depersonalisation, konzentrieren sich auf die biologischen Grundlagen der Erscheinungen.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass es sich bei NTE nur um eine bestimmte Erscheinung handelt. Es wird daher angenommen, dass es hier eine Gruppe von lose zusammenhängenden, verschiedenen Erscheinungen gibt, für die entsprechende, unterschiedliche Erklärungen zu erwarten sind.23

Nahtod-Studien


Das Interesse an diesem Fachgebiet wurde ursprünglich von den Schriften von Raymond Moody wie seinem Buch Life After Life, das 1975 veröffentlicht wurde, angehoben, und brachte die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema NTE. Bald darauf folgte die Gründung der Internationalen Vereinigung für Nahtod-Studien (IANDS) im Jahr 1981. IANDS beschreibt sich selbst als eine internationale Organisation, die wissenschaftliche Forschung und Bildung auf die physische, psychologische, soziale und spirituelle Natur und Verzweigungen der Nahtoderfahrung fördert. Zu deren Publikationen gehören das Peer-Review Journal of Near-Death Studies und der vierteljährliche Newsletter Vital Signs.24
Bruce Greyson (Psychiater), Kenneth Ring (Psychologe) und Michael Sabom (Kardiologe) haben dazu beigetragen, das Feld der Nahtod-Studien zu betreten und das Studium der Nahtoderfahrungen in die akademische Forschung einzuführen. Von 1975 bis 2005 wurden etwa 2.500 selbst gemeldete Personen in den USA in retrospektiven Studien der Phänomene25 mit weiteren 600 außerhalb der USA im Westen25 und 70 in Asien überprüft.25 Prospektive Studien, die Gruppen von Einzelpersonen überprüfen, um dann später herauszufinden, wer aus dieser Gruppe eine NDE nach einer vorgegebenen Zeit hatte, identifizierten 270 Personen.25 Insgesamt wurden etwa 3.500 Einzelfälle zwischen 1975 und 2005 in mindestens einer Studie überprüft. Alle diese Studien wurden von etwa 55 Forschern bzw. Teams von Forschern durchgeführt.25 Die medizinische Gemeinschaft hat lange gezögert, das Phänomen der NDEs anzusprechen, und Geld für die Forschung zu gewähren.25

Hirnforschung


Bei einem wiederbelebten Patienten, der aus medizinischen Gründen in ein künstliches Koma versetzt worden war, fielen bis dahin unbekannte Hirnaktivitäten auf. Daraufhin wurden 2013 im Rahmen einer kanadischen Studie Katzen mittels Analgosedierung in ein vergleichbares künstliches Koma versetzt. Trotz des Vorliegens eines Null-Linien-EEG gelang es den Wissenschaftlern der Universität Montreal bei den Katzen in einer tieferliegenden Gehirnregion, dem Hippocampus, impulsartige Neuronalschwingungen zu beobachten.2627
Da Nahtoderfahrungen auch während eines Herzstillstands erlebt werden, gibt es folgende Problematik: Sobald das Gehirn nach einem Herzstillstand nicht mehr mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt wird, stellt das Gehirn nach etwa 15 Sekunden seinen normalen Betrieb ein, d. h. das Gehirn fällt in einen Zustand der Bewusstlosigkeit. Dieser bedeutet jedoch kein vollständiges, sondern ein teilweises Abschalten. Es sind demnach Zustände verminderter Bewusstheit möglich, die nur nach außen hin als Bewusstlosigkeit erscheinen.28
Bei Ratten wurde beobachtet, dass in einer bestimmten Zwischenphase nach dem Kreislaufstillstand und vor dem Hirntod ein Teil der Gehirnaktivität noch zunimmt. In einer Studie an der Universität von Michigan wurden 2013 bei sterbenden Ratten mittels implantierten EEG-Elektroden die Hirnaktivitäten bis zum endgültigen Hirntod aufgezeichnet. Im Zeitraum zwischen dem Herzstillstand und dem Null-Linien-EEG beobachteten die Forscher kein langsames Abebben der neuronalen Hirnaktivitäten, sondern im Gegenteil ein extremes Ansteigen der kognitiven Verarbeitungsprozesse.29 Alleine die Gamma-Hirnströme im Frequenzbereich zwischen 25 und 55 Hertz stellten 50 % des gesamten EEG-Potentials, im normalen Wachzustand hatte ihr Anteil 5 % betragen. Auch die Ausprägung der Thetawellen stieg an und lag im Bereich des Wachzustands. Die Forscher kommen zu dem Schluss: „Wir liefern damit nun einen wissenschaftlichen Rahmen, um die hochgradig lebensechten und realen mentalen Erfahrungen zu erklären, die viele Überlebende eines Nahtod-Ereignisses berichten.“ Die gemessenen Hirnaktivitäten fanden innerhalb der ersten 30 Sekunden nach Eintreten des Herzstillstands statt.30

Halluzinationen


Aus der Psychopathologie sind autoskopische Halluzinationen bekannt, bei denen jemand ein Bild von sich selbst außerhalb seines eigenen Körpers sieht, ähnlich den außerkörperlichen Erlebnissen.3132333435 Heinrich Klüver hat in den 1930er Jahren aus optischen Halluzinationen abstrakte Grundformen isoliert, deren Entstehung er dem Auge und dem Zentralnervensystem zuschrieb. Eines dieser Grundmuster ist ein Tunnel.3637

Halluzinogene, Rauschdrogen und körpereigene Botenstoffe


Halluzinogene wie LSD, Meskalin, Ketamin, Ibogain und THC rufen vereinzelt NTE hervor. Deshalb gehen einige Autoren davon aus, dass die diesen Rauschdrogen entsprechenden körpereigenen Botenstoffe und die zuständigen Rezeptoren im Gehirn für die Nahtoderfahrungen verantwortlich seien und die Nahtoderfahrungen komplexe halluzinatorische Erfahrungen seien.38394041

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände


Nahtoderfahrungen wurden mit anderen außergewöhnlichen (anomalen) Bewusstseinszuständen verglichen, insbesondere mit dem Erleben während eines bewussten Traums (Klartraum), eines traumartigen illusionären Bewusstseins (Oneiroid-Syndrom) und eines fliehkraft-induzierten teilweisen Bewusstseinsverlusts (wie z. B. in der Luft- und Raumfahrt; engl. G-Loc: G-force induced loss of consciousness).424344

Depersonalisation


Bei der Depersonalisation handelt es sich um eine krankhafte Selbstwahrnehmung, bei der die betroffene Person den Eindruck hat, dem eigenen Körper oder der eigenen Persönlichkeit fremd gegenüberzustehen. Im Gegensatz zu NTE besteht hier jedoch keine Sicht von außen auf sich selbst (Autoskopie).45

Dissoziation


Da in einer Nahtoderfahrung die Persönlichkeit als vom Körper, seinen Schmerzen und den damit verbundenen Ängsten abgelöst erlebt wird, handelt es sich hierbei definitionsgemäß um eine dissoziative Erfahrung.464748

Sauerstoffmangel im Gehirn


In gezielten Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Nahtoderlebnisse – zumindest in einem Teil der Fälle – auf Sauerstoffabwesenheit im Gehirn (zerebrale Anoxie), Sauerstoffmangel (Hypoxie) oder einen Überschuss an Kohlendioxid (Hyperkapnie) zurückgeführt werden können.4950 Bei künstlich erzeugten Ohnmachtsanfällen durch Sauerstoffmangel im Gehirn bei 42 gesunden Versuchspersonen wurden am Universitätsklinikum Rudolf Virchow in Berlin sehr oft NTE-artige Erlebnisse ausgelöst: 16 % hatten außerkörperliche Erfahrungen, 35 % Gefühle von Frieden und Schmerzlosigkeit, 17 % Lichterscheinungen, 47 % Erleben einer anderen Welt, 20 % Zusammentreffen mit unbekannten Lebewesen, und 8 % Tunnelerlebnisse. Zwei Personen hatten sogar Rückerinnerungen an frühere, spontane NTE.51
Ein Phänomen, bei dem die Sauerstoffversorgung des Gehirns vermindert ist, ist der Bewusstseinsverlust durch erhöhte Schwerkraft (G-force induced Loss of Consciousness, G-LOC) bei Piloten.5253 James Whinnery hat über einen Zeitraum von 16 Jahren eine Studie mit über 1000 G-LOCs durchgeführt. Bei einem Durchschnittsalter von 32 Jahren dauerte der G-LOC etwa 12 Sekunden, wobei es bei 70 % der Personen zu Schüttelkrämpfen kam. Rund 50 % der Betroffenen erkannten ihren G-LOC nicht auf Anhieb und waren bei einer Videovorführung entsprechend erschüttert. Entsprechend dem Grad dieser Bewusstheit sprach Whinnery von vier G-LOC-Typen, die dabei den Grad der Blutleere widerspiegeln sollten. Nur beim intensivsten Typ wurden traumartige Erscheinungen (dreamlets) berichtet. Bei hoher Schwerkraft wurden zuerst die am weitesten von der versorgenden Ader entfernten Ränder der Netzhaut nicht ausreichend versorgt. Das Bild verlor vom Rand her seine Farbe und wurde dann zum Rand hin nach und nach dunkler. Es entstand eine Tunnelvision, manchmal auch ein völliger Sehverlust, der auf die mangelnde Durchblutung der Netzhaut (Retina) zurückgeführt wurde.54

Schläfenlappenaktivität und Epilepsie


Auch bei epileptischen Anfällen, besonders bei Schläfenlappenepilepsie, sind außerkörperliche Erlebnisse beobachtet worden.5556

Nahtoderfahrungen in Kunst und Kultur


Das Thema Nahtod wurde vielfach in Filmen bearbeitet, in jüngerer Zeit etwa Hereafter von Clint Eastwood (2010) und Stay von Marc Forster (2008). Darüber hinaus ist es auch ein Motiv besonders der phantastischen Literatur, wofür beispielhaft die Novelle Der Baron Bagge von Alexander Lernet-Holenia (1936) genannt werden kann.57 Eindrucksvoll ist auch die literarische Bearbeitung des Sujets bei Karl May in seinen Romanen Am Jenseits (1899) und Im Reiche des silbernen Löwen III (1902).58

Filme


  • Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben (1990)
  • Ghost – Nachricht von Sam (1990)
  • The Fountain (2006)
  • Enter the Void (2009)
  • Wenn ich bleibe (2014)
  • Den Himmel gibt’s echt (2014)

Serien


  • Ghost Whisperer – Stimmen aus dem Jenseits (2005–2010)
  • The OA (seit 2016)

Autoren weltanschaulicher Sichtweisen


Maurice S. Rawlings
Maurice S. Rawlings war ein US-amerikanischer Kardiologe und befasste sich aus beruflicher und christlicher Sicht mit Nahtod-Erfahrungen. Rawlings war Arzt von Präsident Eisenhower und des Joint Chiefs of Staff. Er kritisierte an anderen Sterbeforschern wie Moody und Kübler-Ross, dass deren Interviews mit Betroffenen nie unmittelbar nach der Wiederbelebung stattfanden, sondern in der Regel einige Wochen danach. Bei zeitnahen Interviews gäbe es nicht nur positive, sondern auch negative (Höllen-)Berichte aus dem Jenseits, was Moody und Kübler-Ross übersähen. Rawlings war Autor verschiedener Bücher, u. a. „Jenseits der Todeslinie – Neue klare Hinweise auf die Existenz von Himmel und Hölle“ (1987) und „Zur Hölle und zurück – Leben nach dem Tod“ (1996), die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
Raymond A. Moody
Raymond A. Moody war einer der ersten, der die Erlebnisse von Patienten, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden, systematisch untersuchte. Er fand dabei eine hohe Übereinstimmung der Wiedergaben.59
Elisabeth Kübler-Ross
Die Medizinerin Elisabeth Kübler-Ross interviewte zahlreiche todkranke Menschen und beschrieb in ihrer Arbeit die „fünf Phasen des Sterbens“. Gemeint ist damit, wie sich Patienten mit der Einsicht auseinandersetzen, dass sie bald sterben müssen. Ebenso beschäftigte sie sich mit Nahtoderfahrungen.60 Kübler-Ross war die erste, die in ihrem Buch Interviews mit Sterbenden 1969 Berichte über Nahtoderfahrungen veröffentlichte.61
Bernard Jakoby
Bernard Jakoby ist ein deutscher Autor, der zu ähnlichen Einschätzungen kam wie Moody.
Pim van Lommel
Pim van Lommel ist Kardiologe und führte prospektive Untersuchungen zum Thema Nahtod durch.62 Er vertritt die Ansicht, dass Bewusstsein nicht körperlich lokalisiert werden kann.63
Sam Parnia
Sam Parnia ist ein britischer Kardiologe, der am Weill Cornell Medical College in New York an Nahtoderfahrungen und außerkörperlichen Erfahrungen forscht. 2014 veröffentlichte er eine Studie, bei der reanimierte Herzpatienten interviewt worden waren. Neun von 140 interviewten Patienten berichteten von einer Nahtoderfahrung gemäß der Greyson-NDE-Skala64, einer der beiden von audio-visuellen Wahrnehmungen unmittelbar nach dem offiziellen Herzstillstand.65
Markolf Niemz
Markolf Niemz ist ein deutscher Biophysiker. Niemz setzt sich mit einem neuen Zweig der Sterbeforschung, der Nahtodforschung, auseinander.66
Walter van Laack
Walter van Laack lehrt an der Fachhochschule Aachen Orthopädie und Grenzgebiete.676869
Bruce Greyson
Bruce Greyson ist ein amerikanischer Psychiater und Neurowissenschaftler. Er ist Professor für Psychiatrie und Direktor der Division of Perceptual Studies an der Universität von Virginia und damit direkter Nachfolger von Ian Stevenson. Er ist Gründungsmitglied der International Association for Near-Death Studies (IANDS) und ist bekannt für seine Arbeit auf dem Gebiet der Nahtoderfahrung.70 Er entwickelte 1983 den Greyson-Fragenkatalog zur Qualifizierung einer Nahtoderfahrung („Greyson’s NDE scale“).71

Filmische Dokumentationen


  • Rainer Fromm und Simone Kienast: An der Schwelle zum Jenseits – Nahtoderlebnisse aus der Sicht von Wissenschaftlern und Betroffenen. (DVD) 60 Min., Mathhias-Film gGmbH 2009.
  • Spiegel TV [http://www.spiegel.tv/filme/orf-phaenomen-nahtod/ Phänomen Nahtod]
  • Spiegel TV [http://www.spiegel.tv/filme/nahtod-special/ Nahtod Special]
  • ARD: W wie Wissen: [https://www.youtube.com/watch?v=EksPuF582zQ Nahtod – was passiert im Körper?]
  • 3sat delta: [https://www.youtube.com/watch?v=Pc2Qz0vIxGI Todesnähe]
  • 3sat Kulturzeit: [https://www.youtube.com/watch?v=sTsBOKRjYvA Licht und Schweben: Wie Menschen den Nahtod erleben]
  • WDR: Planet Wissen: [http://www.ardmediathek.de/tv/Planet-Wissen/Planet-Wissen-04-10-2013-Nahtoderfahru/WDR-Fernsehen/Video-Podcast?documentId=17478714 Nahtoderfahrung]
  • [https://www.youtube.com/watch?v=ueXlmLEbuVs Dr. Pim van Lommel : Nahtod-Forschung eines Kardiologen]

Gehirn und Bewusstsein


Wissenschaftliche Sicht


Naturwissenschaftler gehen davon aus, dass das Bewusstsein vom Gehirn erzeugt wird, eine Grundannahme in den Neurowissenschaften, und eine Nahtoderfahrung deshalb ein Produkt eines Gehirns ist, das vorübergehend in wichtigen Funktionen gestört ist.72

Weltanschauliche Sicht


Bei weltanschaulich orientierten Sichtweisen kommt es vor, wie zum Beispiel bei Pim van Lommel, dass angenommen wird, das Bewusstsein existiere unabhängig vom Gehirn und das Gehirn sei nur eine Art Empfänger, ähnlich einem Fernsehgerät, einem Radiogerät oder einem Computer für den Empfang des Internets. Ist das Empfangsgerät vorübergehend gestört, so ist dadurch noch nicht z. B. das Internet gestört. Das Bewusstsein würde demnach den Gehirntod überleben.73

Literatur


Einführungen


  • Olaf Blanke, Nathan Faivre, Sebastian Dieguez: Leaving Body and Life Behind: Out-of-Body and Near-Death Experience. In: Steven Laureys, Olivia Gosseries, Giulio Tononi: The Neurology of Consciousness: Cognitive Neuroscience and Neuropathology. 2. Ausgabe. Academic Press, Amsterdam 2015, ISBN 978-0-12-801175-1, S. 323–347. ([http://scitechconnect.elsevier.com/wp-content/uploads/2016/04/3-s2.0-B9780128009482000200-main.pdf online], abgerufen 14. Juni 2016)
  • Ina Schmied-Knittel: Nahtod-Erfahrungen. In: Gerhard Mayer, Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel, Dieter Vaitl: An den Grenzen der Erkenntnis. Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik. Schattauer Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7945-2922-3, S. 164–176.
  • Birk Engmann: Near-Death Experiences: Heavenly Insight or Human Illusion? Springer Science & Business Media, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-319-03728-8.
  • Birk Engmann: Mythos Nahtoderfahrung S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7776-2146-3.
  • Dick Swaab: Pseudowissenschaftliche Erklärungen für Nahtoderfahrungen. In: Derselbe: Wir sind unser Gehirn: Wie wir denken, leiden und lieben. Knaur-Taschenbuch, München 2013, ISBN 978-3-426-78513-3, Kap. XVII.3.
  • D. Mobbs, C. Watt: There is nothing paranormal about near-death experiences: how neuroscience can explain seeing bright lights, meeting the dead, or being convinced you are one of them. In: Trends in cognitive sciences. Band 15, Nummer 10, Oktober 2011, S. 447–449, . PMID 21852181 (Review), [http://www.koestler-parapsychology.psy.ed.ac.uk/Documents/MobbsWattNDE.pdf PDF] (abgerufen am 6. Juli 2016).
  • A. Vanhaudenhuyse, M. Thonnard, S. Laureys: Towards a Neuro-scientific Explanation of Near-death Experiences? In: Jean-Louis Vincent (Hrsg.): Yearbook of Intensive Care and Emergency Medicine. Band 2009, Springer-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-92275-9, S. 961–968. ([http://www.coma.ulg.ac.be/papers/vs/vanhaudenhuyse_NDE2010.pdf PDF], abgerufen am 6. Juli 2016)
  • C. C. French: Near-death experiences in cardiac arrest survivors. In: Progress in brain research. Band 150, 2005, S. 351–367. PMID 16186035 (Review)
  • G. M. Woerlee: Mortal Minds. The Biology of Near-death Experiences. Prometheus Books, Amherst (NY) 2005, ISBN 1-59102-283-5.

Geschichte


  • Carol Zaleski: Otherworld Journeys: Accounts of Near-Death Experience in Medieval and Modern Times. Oxford University Press, New York 1987, ISBN 0-19-536352-3.

Siehe auch


  • Derealisation
  • Nachtod-Kontakt
  • Selbst

Weblinks


  • [http://www.netzwerk-nahtoderfahrung.org/ Netzwerk-Nahtoderfahrung e.V.] Nahtoderfahrung-Forschung
  • Birk Engmann: [http://www.izpp.de/fileadmin/user_upload/Ausgabe_6_1-2012/14_1-2012_Engmann.pdf Nahtoderfahrungen. Eine Gratwanderung zwischen Wissen und Glauben aus historischer Perspektive betrachtet.] (PDF-Datei; 319 kB)
  • Gibt es ein Leben nach dem Tod? Blick ins Jenseits. In: Nahtod-Spezial. Spiegel-TV, Video 9. März 2014. [http://www.spiegel.tv/filme/nahtod-special/ (online)]
  • [http://www.livescience.com/46993-oldest-medical-report-of-near-death-experience.html Livesciene über: Historischer NTE-Bericht aus dem 18. Jahrhundert von Pierre-Jean du Monchaux (1733–1766)]
  • Nahtoderfahrung «Ein irrsinnig schönes Gefühl». In: Neue Zürcher Zeitung. 5. Juli 2015. ([http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/nahtoderfahrung-ein-irrsinnig-schoenes-gefuehl-ld.936 online], abgerufen am 19. August 2016)
  • Video (6:19 Min): [https://www.youtube.com/watch?v=6JMd8sNdHqk Prof. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen: Nahtod-Erlebnisse, Telepathie und außerkörperliche Erfahrungen (Out-of-Body Experiences). (Teil eines Vortrags, hochgeladen am 5. Januar 2012)].

Literatur und Einzelnachweise



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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nahtoderfahrung

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