News > Ende des Projekts "Hilfe für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt"

am 11.2.2016
Kinder- und Jugendanwaltschaft und Psychosozialer Dienst Wien bieten in Zukunft rechtlich und therapeutische Hilfe

Wien (OTS) - "Als Stadt war und ist es unsere Pflicht, unsere Verantwortung wahrzunehmen, geschehenes Unrecht ohne Relativierung anzuerkennen und uns dafür zutiefst zu entschuldigen. Das Leid der Betroffenen kann nicht rückgängig gemacht werden, aber wir haben viel unternommen um eine Entstigmatisierung der Betroffenen zu gewährleisten und den Opfern finanzielle und therapeutische Hilfestellung zu geben. Auch nach dem Ende des Projekts "Hilfe für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt" wird die Stadt Wien Opfern auch weiter Hilfestellung anbieten“, betont Stadträtin Sonja Wehsely.

Die Stadt Wien hat im April 2010 nach Bekanntwerden von Gewalt- und Missbrauchsvorwürfen in Heimen der Stadt unverzüglich mit der Aufarbeitung des dunklen Kapitels der Wiener Jugendwohlfahrt begonnen. Die Opferschutzeinrichtung Weisser Ring wurde als Anlaufstelle eingerichtet und übernimmt bis heute die Betreuung der Betroffenen sowie die unbürokratische Abwicklung der therapeutischen, rechtlichen und finanziellen Hilfestellungen. Alle Betroffenen, die in Einrichtungen des Wiener Jugendamtes gelebt haben und dort Gewalt erleben mussten, konnten und können sich bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft melden.

Von der MAG ELF wurden mehrere historische Studien in Auftrag gegeben, um der Geschichte der ehemaligen Heim- und Pflegekinder eine Stimme zu geben. Im Jahre 2012 legte die Historikerkommission unter der Leitung von Univ. Prof. Sieder einen umfangreichen Bericht über die Erziehungskonzepte, Organisationsstrukturen und alltägliche Erziehungspraktiken in Wiener Erziehungsheimen vor. Im Juni 2013 präsentierte die Kommission Wilhelminenberg unter der Leitung von Dr.in Babara Helige den Abschlussbericht über das Kinderheim Wilhelminenberg. Ebenfalls im Juni 2013 wurde die Ergebnisse der Pflegekinder-Studie des Forschungsinstituts des FH-Campus Wien, Leiterin FH-Prof.in Raab-Steiner, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Weiters wurden Studien von der MAG ELF in finanzieller oder organisatorischer Hinsicht unterstützt: Zum einem die Wiener Heimstudie der Universität Wien, zum anderen die Studie über das Wiener Kinder- und Erziehungsheim Hohe Warte in der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre der Johannes Kepler Universität Linz.

2012 wurde die Forderung der Kinder- und Jugendanwaltschaft umgesetzt: Die Ombudsstelle für Kinder, die in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut werden, wurde eingerichtet.

„Insgesamt hat die Stadt Wien in den letzten 6 Jahren Mitteln in Höhe von € 52,53 Mio. beschlossen. Damit hat die Stadt Wien nicht nur finanzielle Hilfestellung leisten können, sondern hat auch die Kosten für Psychotherapie beschlossen. Darüber hinaus hat die rot-grüne Stadtregierung in ihrem Koalitionspapier festgehalten, dass sie sich für eine würdige nationale Gedenkzeremonie für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Jugendwohlfahrt einsetzt, unter Einbeziehung Betroffener auf Landes- und Bundesebene. Sollte dies jedoch bis Ende 2017 auf Bundesebene nicht realisierbar sein, sorgt die Wiener Landesregierung für einen entsprechenden Schritt auf Wiener Ebene“, so Wehsely.

Der Präsident des Weissen Rings, Prof. Dr. Udo Jesionek betont: „Für die Opfer steht nicht die finanzielle Hilfestellung im Vordergrund, sie wollen gehört und ernst genommen werden und sie wollen vor allem eines: das ihnen geglaubt wird. Die Stadt Wien hat hier wie keine andere Stadt Verantwortung übernommen. Auch nach der Beendigung wird es für die Opfer weiter Hilfestellungen geben."

"Der Weisse Ring hat bereits über 2.700 Fälle behandelt. In rund 2.050 Fällen wurden finanzielle Unterstützungen und in über 1.580 Fällen die Kostenübernahme einer Psychotherapie beschlossen. Im Zentrum jedes Gesprächs, jedes Falles steht der Mensch mit seinen traumatischen Erlebnissen, die Anerkennung, dass Unrecht geschehen ist. Die finanziellen und psychotherapeutischen Hilfestellungen sollen den Opfern helfen, Geschehenes besser verarbeiten zu können, eine Wiedergutmachung können sie nicht sein“, betont die Geschäftsführerin des Weissen Rings, Mag.a Marianna Gammer und fügt dazu, dass sich Opfer noch bis 31. März 2016 an den Weissen Ring wenden können. Offene Fälle können bis Ende 2018 abgerechnet werden.

Als Vertreterin des ExpertInnengremiums des Weissen Rings hält Mag. Ulla Konrad fest: "Traumatische Erlebnisse nach so langer Zeit ins Bewusstsein zu holen und darüber zu berichten, erfordert sehr viel Kraft und stellt eine große Herausforderung dar. Viele Menschen haben dafür mehrere Anläufe benötigt. Traumapsychologische Hilfestellung hilft die Lebensqualität zu verbessern und mit dem Erlebten besser zurecht zu kommen."

Mag. Johannes Köhler, Leiter der MAG ELF betont, wie grundlegend sich die Strukturen der Jugendwohlfahrt verändert haben: "Die Jugendwohlfahrt hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Kleine Wohneinheiten und der Personalschlüssel sorgen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen in einer altersadäquaten Umgebung aufwachsen. Abschottung in geschlossenen Systemen gibt es nicht mehr. Für die Opfer von Gewalt gibt es volle Akteneinsicht sowie Zugang zu allen Archiven. Ein eigens durchgeführter Tag der Begegnung gab den Betroffenen die Möglichkeit, sich über die komplett veränderten Rahmenbedingungen zu informieren. Transparenz, eine hohe Qualitätssicherung und ein dichtes Netz an Kontrollinstanzen sorgen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen sicher und gut betreut leben können."

Auch nach dem Ende des Projekts, unterstützt die Stadt Wien auch weiter die Opfer. "Seit dem Bekanntwerden der Gewalt- und Missbrauchsfälle in den Wiener Heimen hat die Stadt Wien entscheidende Schritte gesetzt, um die Situation für Kinder und Jugendliche, die nicht zu Hause wohnen können, zu verbessern. Nach der Beendigung der "Hilfe für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt" wird die Kinder- und Jugendanwaltschaft gemeinsam mit dem PSD rechtliche und psychotherapeutische Hilfestellung leisten“, hält Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits abschließend fest.
Rückfragen & Kontakt:

Katharina Ebhart-Kubicek
Mediensprecherin
Stadträtin Mag.a Sonja Wehsely
Telefon: 01 4000 81238
E-Mail: katharina.ebhart-kubicek@wien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0009

Den gesamten Artikel finden Sie unter folgendem Link:

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160210_OTS0057/ende...
Quelle: OTS0057, 10. Feb. 2016, 10:27



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